Fensterbank als Stauraum und Sitzplatz: So wird aus 20 cm Tiefe ein echtes Wohn-Upgrade
Warum die Fensterbank oft verschenkter Raum ist
In vielen Wohnungen in Deutschland gibt es Fensterbänke, die im Alltag nur als Ablage enden: Schlüssel, Post, ein paar Pflanzen. Dabei steckt in selbst 20 bis 30 cm Tiefe viel Potenzial, vor allem in kleinen Grundrissen (35 bis 70 qm), wo jeder Zentimeter zählt.
Mit wenigen, sauberen Eingriffen kannst du daraus eine belastbare Ablage, eine gemütliche Sitznische oder sogar versteckten Stauraum machen. Wichtig ist, die Fensterbank wie ein Möbelstück zu planen: Belastung, Feuchte, Sonneneinstrahlung, Heizkörper und Vorhänge müssen zusammenpassen.
Der häufigste Fehler: Man kauft „irgendwelche“ Körbe oder eine Platte, ohne Maße und Befestigung zu klären. Ergebnis: wackelig, schlecht zu reinigen, und nach dem ersten Kondenswasser wellt sich das Material.
| Ziel | Geeignet ab | Typische Kosten |
| Zusätzliche Ablagefläche | ab 12 cm Tiefe | 30 bis 120 EUR |
| Stauraum mit Kisten/Schubladen | ab 18 cm Tiefe | 60 bis 250 EUR |
| Sitzplatz (Fenstersitz) | ab 35 cm Tiefe | 150 bis 600 EUR |

Maße, die entscheiden: Tiefe, Höhe, Wärme und Kondenswasser
Bevor du etwas bestellst oder zuschneidest, nimm dir 15 Minuten fürs Messen. Notiere die Werte, idealerweise mit Skizze. So vermeidest du typische Kollisionen mit Griffen, Heizkörpern und Vorhangstangen.
1) Tiefe der Fensterbank realistisch bewerten
- 10 bis 15 cm: nur flache Nutzung (Pflanzen, Ladestation, Deko), keine Kisten.
- 16 bis 25 cm: ideal für schmale Boxen, Dokumentenablage, Küchenkräuter, kleine Bücherreihen.
- 26 bis 35 cm: solide Basis für Stauraum plus „Anlehnen“ (z.B. Lesekissen), aber noch kein echter Sitz.
- ab 35 cm: Fenstersitz möglich (mit Unterbau oder stabiler Konsole).
2) Höhe und Ergonomie
Fensterbänke liegen oft bei 85 bis 100 cm Höhe. Das ist zu hoch für bequemes Sitzen, aber sehr gut als Steharbeitsplatz-Ablage, Pflanzenzone oder Barbrett. Ein Sitzplatz funktioniert nur, wenn du entweder:
- eine tiefe Nische hast und auf der Bank „halb sitzend“ loungen willst, oder
- einen tiefer gesetzten Unterbau (Sitzkasten) planst.
3) Heizkörper darunter: Luftstrom nicht killen
Wenn unter dem Fenster ein Heizkörper sitzt, darf ein Unterbau den Konvektionsstrom nicht blockieren. Praktisch heißt das:
- Mindestens 5 bis 8 cm Luftspalt nach oben oder vorn lassen, je nach Heizkörpertyp.
- Fronten mit Lamellen oder Lochblech einplanen, wenn du verkleidest.
- Keine dichten Kisten direkt davor, sonst sinkt Heizleistung und es steigt Schimmelrisiko am Fenster.
4) Kondenswasser und Pflanzen: Materialwahl ist kein Detail
Gerade im Schlafzimmer und in Altbauten beschlägt die Scheibe im Winter. Wenn Wasser auf der Fensterbank steht, sind empfindliche Materialien schnell ruiniert. Für die Oberfläche gelten diese Daumenregeln:
- Sehr robust: HPL-beschichtete Platte, beschichtetes Multiplex, Naturstein, Keramik.
- Ok mit guter Versiegelung: Massivholz (geölt und nachgepflegt), wasserfester Lack.
- Ungünstig: rohes MDF/Spanplatte, unbehandeltes Holz, Filzauflagen ohne Abstand.
Drei praxiserprobte Konzepte: Ablage, Stauraum, Sitzplatz
Wähle nicht „die“ perfekte Lösung, sondern ein Konzept, das zu deinem Nutzungsprofil passt. In der Praxis funktionieren diese drei am besten, weil sie wenig Baustelle machen und dennoch einen echten Effekt bringen.
Konzept A: Die Fensterbank als robuste Arbeits- und Ladezone
Perfekt für Home Office Light, Küche oder Wohnzimmer: eine aufgeräumte Zone für Laptop, Tablet, Ladegeräte und Pflanzen, ohne Kabelsalat.
- Platte aufdoppeln: 18 bis 27 mm Multiplex oder beschichtete Möbelplatte auf Maß, Kante sauber versiegeln.
- Kabelmanagement: 1 bis 2 Kabeldurchführungen (60 mm) hinten, darunter eine Steckdosenleiste mit Klettband.
- Schutz: schmale Silikon- oder Korkuntersetzer unter Pflanztöpfe, keine Staunässe.
- Licht: wenn du abends dort arbeitest, eine warmweiße Unterbauleuchte an der Laibung, nicht direkt ins Gesicht.
Typische Kosten: 40 bis 160 EUR (Platte, Kantenband, Kabeldurchführung, Leiste).
Konzept B: Stauraum, der nicht nach „Aufbewahrung“ aussieht
Wenn die Fensterbank 18 bis 30 cm tief ist, ist der Trick: schmale, einheitliche Behälter statt wilder Körbe. So wirkt es wie ein eingebautes Element.
- Boxen mit Deckel (Textil oder Kunststoff) in einer Höhe, die unter den Fenstergriff passt.
- Eine Blende davor (z.B. 10 cm hoch), damit man Inhalte nicht sieht.
- Antirutsch: dünne Antirutschmatte unter den Boxen, damit beim Lüften nichts wandert.
- Zugriff planen: Täglich genutztes nach vorne, seltenes nach hinten.
Praxisbeispiel: Im Kinderzimmer passen unter einer 22 cm tiefen Bank perfekt 3 bis 5 schmale Boxen für Bastelzeug und Lego, ohne dass der Raum nach Regal aussieht.
Konzept C: Fenstersitz ohne Schreinerkosten
Ein echter Fenstersitz braucht Tiefe und Tragfähigkeit. Wenn die Nische es hergibt, kannst du mit einem Sitzkasten (Modulbau) viel erreichen.
- Unterbau: 2 bis 3 stabile Korpusse (z.B. 40 bis 60 cm breit) als Sockel, oben eine durchgehende Platte.
- Belastung: Ziel sind mindestens 120 bis 150 kg verteilt. Wackelt es, brauchst du eine zusätzliche Wandkonsole.
- Polster: 6 bis 8 cm Schaum (RG35 oder höher), Bezug abziehbar und waschbar.
- Fensterbedienung: Griffhöhe und Kippstellung testen, bevor du Polsterhöhe festlegst.
Wichtig in Mietwohnungen: lieber modular stellen und nur wenige, sauber rückbaubare Fixierungen nutzen (z.B. Winkel an Korpussen, nicht ins Fensterprofil).
Materialien und Details, die im Alltag den Unterschied machen
Eine Fensterbank wird stark beansprucht: Sonne, Wasser, Staub, manchmal Haustiere. Diese Details sparen dir später Reparaturen und Ärger.
Kanten und Versiegelung
- Beschichtete Platte: Kantenband (2 mm) sauber aufbügeln oder aufleimen, Stoßstellen abdichten.
- Multiplex: 2 bis 3 Schichten Hartwachsöl oder Bootslack an der Kante, besonders vorne.
- Fuge zum Fenster: dünne, saubere Silikonfuge nur wenn nötig (bei Kondenswasser), sonst lieber abnehmbar lassen.
Sonnenseite: UV und Hitze
Süd- und Westfenster stressen Oberflächen. Dunkle Folien und billige Lacke können klebrig werden oder ausbleichen. Für sonnige Seiten funktionieren meist besser:
- HPL- oder Melaminbeschichtung in hellen Tönen
- geöltes Holz statt weichem Lackfilm
- Keramik- oder Steinoptik, wenn du maximal pflegeleicht willst
Vorhänge, Plissees, Rollos: Kollisionscheck
Wenn du eine Aufdopplung planst, verändert sich der Abstand zur Fensterdekoration. Prüfe:
- Schleift der Vorhang am Topf oder an der Lampe?
- Kann das Plissee noch frei laufen?
- Ist die Gardinenstange so niedrig, dass sie die neue Platte „einsperrt“?
Manchmal reicht es, die Stange 3 bis 5 cm höher zu setzen, statt das Konzept zu ändern.
Schritt-für-Schritt: Fensterbank aufdoppeln (sauber, gerade, rückbaubar)
Das ist die schnellste Methode, um aus einer schmalen oder beschädigten Fensterbank eine robuste Nutzfläche zu machen, ohne die alte auszubauen.
Schritt 1: Messen und Schablone machen
- Breite an 3 Punkten messen (links, Mitte, rechts), Altbau ist selten gerade.
- Tiefe bis zur Fensterdichtung messen und 2 bis 3 mm Luft lassen.
- Bei schiefen Laibungen: Pappschablone anfertigen und übertragen.
Schritt 2: Platte wählen und zuschneiden
- 18 mm beschichtete Möbelplatte für pflegeleichte Nutzung.
- 21 mm Multiplex, wenn du eine „Möbel“-Optik willst.
- Vorderkante leicht runden (Schleifpapier), das fühlt sich besser an und splittert weniger.
Schritt 3: Befestigung, die hält und trotzdem rückbaubar ist
- Montagekleber punktuell, wenn Untergrund stabil und du nicht zurückbauen musst.
- Doppelseitiges Hochleistungsklebeband für Mietwohnungen, nur bei glattem Untergrund.
- Winkel seitlich in der Laibung (wenige Schrauben), wenn es wirklich belastbar sein soll.
Schritt 4: Finish und Alltagstest
- Kante versiegeln, Untersetzer einplanen.
- Fenster komplett öffnen und kippen, bevor du alles einräumst.
- Mit 10 kg belasten und prüfen: knackt, bewegt, federt?
Typische Fehler aus echten Wohnungen und wie du sie vermeidest
Diese Punkte sehe ich immer wieder, wenn Fensterbänke „verschönert“ werden und nach drei Monaten nerven.
Fehler 1: Zu hohe Pflanzen plus Kippfenster
Wenn du regelmäßig lüftest, stoßen hohe Töpfe an den Flügel. Lösung: flache Schalen, Hängeampeln oder ein schmales Pflanzenregal seitlich in der Laibung.
Fehler 2: Textilkorb direkt am kalten Glas
Textil saugt Kondenswasser. Lösung: Kunststoffbox mit Deckel oder Abstandshalter (z.B. 1 cm Leisten), damit Luft zirkuliert.
Fehler 3: Sitzplatz ohne Tragkonzept
Eine Platte allein ist kein Sitz. Lösung: Unterbau aus Korpussen plus Winkel, oder eine durchgehende Konsole mit Dübeln passend zur Wand (Altbau: Zustand prüfen).
Fehler 4: Kabelsalat wirkt wie Unordnung
Selbst eine schöne Fensterbank sieht sofort unruhig aus. Lösung: nur ein Ladepunkt, Kabeldurchführung, Geräte in eine flache Box.

Podsumowanie
- Erst messen: Tiefe, Griffhöhe, Heizkörper, Vorhangkollisionen.
- Bei Kondenswasser nur feuchteresistente Oberflächen und versiegelte Kanten.
- Heizkörper nicht zustellen: Luftstrom sichern (Spalt, Lamellen).
- Für Stauraum funktionieren einheitliche, flache Boxen besser als viele Körbe.
- Fenstersitz nur mit Unterbau und Tragfähigkeit planen, nicht nur mit einer Platte.
FAQ
Welche Mindesttiefe brauche ich für Stauraum auf der Fensterbank?
Ab etwa 18 cm Tiefe wird es sinnvoll, weil dann flache Boxen stabil stehen und nicht sofort mit dem Fenstergriff kollidieren.
Kann ich eine Fensterbank in der Mietwohnung ohne Bohren aufdoppeln?
Oft ja: Hochleistungsklebeband oder punktuell entfernbarer Montagekleber funktioniert auf glatten, tragfähigen Untergründen. Vorher an unauffälliger Stelle testen.
Was ist das beste Material bei Kondenswasser im Winter?
HPL-beschichtete Platten oder Keramik sind am unempfindlichsten. Bei Holz nur mit sehr guter Kantenversiegelung und regelmäßiger Pflege.
Wie verhindere ich, dass die Heizung unter dem Fenster schlechter arbeitet?
Keine dichten Fronten direkt vor dem Heizkörper. Lass Luftspalte und nutze lamellierte Blenden, damit warme Luft nach oben steigen kann.

