Gemeinsam im Widerstand

Seinen ersten Einsatz als Kaplan hatte Eduard Müller dann aber in Lübeck, wo er mit den beiden Kaplänen Johannes Prassek und Helmut Lange zusammentraf. Es war insbesondere für die katholische Kirche eine schwere Zeit: Katholische Kindergärten und Schulen mussten geschlossen werden, Klöster wurden enteignet und die Ordensleute vertrieben. Es kam aber auch zu den ersten Euthanasieaktionen – unter anderem wurden über 600 Insassen der Lübecker Heilanstalt Strecknitz mit unbekanntem Ziel abtransportiert. In dieser begegneten sich Kaplan Lange und Pastor Stellbrink wohl zum ersten Mal. Stellbrink – ursprünglich durchaus Anhänger der Nationalsozialisten – hatte bereits um 1939 herum mit der NSDAP gebrochen. Unter anderem engagierte er sich für »judenchristliche« Nachbarn (also für Menschen, die jüdischer Abstammung aber christlichen Glaubens waren) und verfasste zahlreiche Beschwerde- und Protestbriefe gegen Belästigungen und Provokationen durch die Nationalsozialisten, Briefe, mit denen er sich auch in Teilen seiner Gemeinde und seiner Kirche unbeliebt machte.

Die vier Geistlichen arbeiteten nun also eng zusammen, unter anderem auch bei der Verbreitung der berühmten Predigten des "Löwen von Münster".

Nach den Bombenangriffen der Alliierten auf Lübeck im März 1942, hielt Stellbrink dann eine Predigt, in der er unter anderem davon redete, dass nun »Gott mit mächtiger Stimme« spreche. Eine Woche später wurde er von der Gestapo verhaftet. Gleichzeitig arbeitete die Lübecker Gestapo daran, Gruppenabende im katholischen Pfarrhaus als »Zellen einer Geheimorganisation« zu entlarven. Im Juni 1942 wurden die drei Kapläne und kurz danach auch 18 Teilnehmer der Gruppenabende verhaftet. Die meisten von ihnen wurden als »Verführte« angesehen und kamen mit kurzen Gefängnisstrafen davon. Nur zwei der Laien wurden zu längeren Haftstrafen verurteilt. Die vier Geistlichen blieben bis zu ihrer Hinrichtung in Haft.