Die vier Lübecker Märtyrer

Am 10. November 1943 werden im Hamburger Untersuchungsgefängnis sieben Menschen mit dem Fallbeil hingerichtet, darunter – erstmals in der Geschichte der Hansestadt – vier Geistliche: drei katholische Kapläne und ein evangelischer Pastor.

Im Juni 1943 war ihnen vom Volksgerichtshof – der im Lübecker Landgericht tagte – der Prozess gemacht worden. Zunächst war Hauptpunkt der Anklage die Verbreitung der Predigten des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, deren kämpferischer Inhalt ihm den Ehrennamen »der Löwe von Münster« einbrachte. Hitler selbst verlangte, dass dieser Anklagepunkt gestrichen werden solle. Das zeigt, wie wichtig dieser Prozess gegen die vier Geistlichen genommen wurde – sie sollten getötet werden, aber möglichst ohne größeres Aufsehen. Übrig blieben als Anklagepunkte: »Rundfunkverbrechen«, »Zersetzung der Wehrkraft«, »landesverräterische Feindbegünstigung« und »Verstoß gegen das Heimtückegesetz«.

Der Prozess war von Beginn an eine Farce. Typisch ist die Antwort, die der Gerichtsvorsitzende, Dr. Wilhelm Crohne, einem der Verteidiger gab, als dieser auf die vollkommene Unschuld des angeklagten Kaplans Eduard Müller hinwies: »Ist ja ganz egal, alle Geistlichen sind Schufte und Hunde. Auch Müller wird mit dem Tode bestraft.«

Fast siebzig Jahre später, am 25. Juni 2011, wurden die drei katholischen Kapläne – Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange – als Märtyrer selig gesprochen. An den evangelischen Pastor, Karl-Friedrich Stellbrink, wird im Evangelischen Namenskalender erinnert. Bei allen Festlichkeiten zur Seligsprechung wurde aber immer wieder darauf hingewiesen, dass selbstverständlich auch der evangelische Geistliche zu den Lübecker Märtyrern gehört, auch wenn er natürlich nicht selig gesprochen werden konnte.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hingegen war es noch höchst ungewöhnlich, dass evangelische und katholische Geistliche überhaupt miteinander Kontakt hatten, geschweige denn gemeinsame Aktionen planten. Der Widerstand insbesondere gegen den nationalsozialistischen Rassismus hatte die jungen Geistlichen dennoch zusammengebracht.